Das Büro der Imigrasi – Passierschein A38..

 

Von Malang aus fuhren wir weiter mit dem Zug Richtung Westen nach Yogyakarta, eine 1,5 Millionen Einwohner Stadt und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz – zusammen  mit der Provinz Aceh eins von zwei verbliebenen Sultanaten in Indonesien. Hier wollten oder besser gesagt mussten wir unser Visum verlängern. Wir lasen im Internet, dass es ein recht komplizierter Vorgang sei und man an vielen Punkten scheitern könne. Als erstes müsse man mit Passkopien und ausgedrucktem Ausreiseticket zum Immigrationsbüro. Hier herrscht Kleiderordnung, also lange Klamotten und geschlossene Schuhe, sonst kann es passieren, dass man nicht rankommt. Das Formular ist in schwarzer Tinte und in Großbuchstaben auszufüllen, wenn es ein blauer Kuli ist, wird es nicht angenommen. Außerdem baucht man einen Sponsor, d.h. eine indonesische Person mit gültigem Reisepass, die für einen bürgt und ebenfalls ein Formular ausfüllen muss. Der Sponsor darf außerdem seinen Steuerstempel nicht vergessen. Der Pass wird dann einbehalten und man muss ein zweites Mal an einem anderen Tag hin um Fotos zu machen, Fingerabdrücke scannen zu lassen und die 355.000 IDR (ca. 21 Euro) Gebühr zu zahlen. Nach ca. vier Tagen darf man dann seinen Pass mit der Visumsverlängerung für weitere 30 Tage abholen. Der ganze Prozess kann insgesamt bis zu eine Woche dauern. Das klang alles sehr kompliziert. Im Internet stand, es sei möglich, eine Art Agentur dafür zu bezahlen, die sich um den Papierkram kümmert und dann müsse man nur einmal zum Immigrationsbüro, um die Fotos machen zu lassen. Wir beschlossen letzteres zu versuchen, da wir keine Idee hatten, wie wir einen Sponsor mit unseren nicht vorhandenen Indonesischkenntnissen auftreiben könnten. Also klapperten wir sämtliche Reisebüros und Touristeninformationen auf der Suche nach solch einer Agentur ab. Wir erhielten unterschiedliche Informationen und wurden meist zum nächsten Reisebüro geschickt. Schließlich fanden wir heraus, dass ein Mann namens Robbie der Einzige in der ganzen Stadt sei, der sich um solche Sachen kümmere. Also versuchten wir Robbie zu finden. Zweimal liefen wir zu seinem Haus, einmal hatten wir uns dort mit ihm telefonisch verabredet, aber wir hatten kein Glück. Am nächsten Tag fanden wir jemanden, der Robbie netterweise anrief und so erfuhren wir, dass er uns nicht helfen könne, da sein Reisepass abgelaufen sei. Schließlich beschlossen wir, einfach zum Immigrationsbüro zu fahren und es ohne Sponsor zu versuchen oder zur Not einen vor Ort aufzutreiben. Wir bekamen eine Nummer und das Formular zum Ausfüllen. Nach ca. einer Stunde wurde Harry als erstes aufgerufen und musste das Deckblatt gleich nochmal ausfüllen, da wir unsere Adresse in Deutschland aufgeschrieben hatte, es aber eine indonesische sein musste. Wir schrieben die Adresse des Hotels auf und warteten erneut, bis wir aufgerufen wurden. Der Sachbearbeiter schien nun zufrieden mit den Papieren und fragte uns, warum wir hier sein. Nachdem wir sagten, dass wir nur zu Besuch seien, wurden wir zum Glück nicht nach einem Sponsor gefragt und bekamen nach erneuter Wartezeit einen Zettel mit einem Termin zwei Tage später, um die Gebühr zu zahlen und die Fotos und Fingerabdrücke aufzunehmen. Pünktlich morgens um acht standen wir erneut vor dem Immigrationsbüro und vermummelten uns – es war einfach viel zu heiß für lange Kleidung. Etwas mutiger waren wir in Sachen Kleiderordnung jedoch geworden, da unser Sachbearbeiter in Flip Flops durch die Gegend schlappte, hatten wir dieses Mal statt geschlossener Schuhen Sandalen mit Socken an. Wir gingen zu der Stelle, wo die Fotos gemacht werden sollten. Dort sagte man uns, wir sollen uns setzten und warten. Nachdem eine ganze Weile nichts passierte, gingen wir zu unserem Sachbearbeiter und der sagte uns, dass wir erst bezahlen müssten. Also wir fragten wo, deutete er nur wage nach draußen. Also befragten wir die Mitarbeiter am Empfangstresen, die uns in gebrochenem Englisch erklärten, dass ein gelbes Auto in etwa einer halben Stunde kommen würde und wir dort bezahlen könnten. Während wir warteten, hatte ein Amerikaner am Empfangstresen die gleichen Verständigungsprobleme und wir erklärten ihm die Sache mit dem gelben Auto. Er wartete mit uns und erzählte uns, dass er mittlerweile das dritte Mal hier sei, da er einen Sponsor mitbringen musste und davon vorher nichts gewusst hatte. Wir waren echt froh, dass uns diese Sponsorsache erspart geblieben ist. Als das gelbe Auto endlich da war und wir bezahlt hatten, gingen wir erneut zu unserem Sachbearbeiter, der uns in den Keller schickte, wo wir Kopien der Zahlungsbelege anfertigen lassen mussten. Dann ging es wieder nach oben und unsere Akte wurde dem Fotografen gegeben, der uns nach einiger Wartezeit aufrief. Am nächsten Tag sollten wir die Pässe 13 Uhr abholen. Dieses Mal hatte Harry kurze Hosen an, ich ein T-Shirt statt Pulli und Sandalen ohne Socken. Wir mussten erneut warten und setzten uns nach einer Weile in die Stuhlreihe direkt vor unserem Sachbearbeiter. Er war der einzige, der die Angelegenheiten von Ausländern bearbeitete und wurde von einer Kroatin angefleht, ihre Visaverlängerung zu beschleunigen. Sie sei mit dem Fahrrad unterwegs und könne keine Woche in Yogya warten. Er meinte, dass man bis 10 Uhr morgens eine Nummer ziehen müsse, um seinen Antrag abzugeben und da es Freitag und nach 10 Uhr sei, solle sie doch Montag wiederkommen. Sie versuchte alles bis hin zur Bestechung mit selbstgekochtem Essen. Ich hatte wohl einen etwas ungeduldigen Blick drauf – der Sachbearbeiter musterte mich von oben bis unten, dann Harry und meinte unwirsch ‘you have to change your pants, mister’. Harry hatte zum Glück die langen Hosenbeine für seine Trekkinghosen dabei und befestigte sie schnell mit dem Reisverschluss (das An- und Abbauen der Hosenbeine hatte an den Tagen zuvor auf der Straße vorm Immigrationsbüro sehr zur allgemeinen Belustigung der umstehenden Javaner beigetragen). Ich war nur froh, dass er nichts zu mir sagte – ich hatte keinen Pulli dabei… Nach ein paar Minuten rief er uns schließlich auf und stempelte unseren Pass. Endlich geschafft!!

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Unten Chinatown von Yogya, eine Modenschau oder Misswahl in einem Shopping Center und die typischen Joglo-Häuser von Kota Gede, einem Stadtteil von Yogya:

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Von Banyuwangi nach Malang

 

Von Banyuwangi aus fuhren wir mit dem Zug nach Malang. Es ging 5 Uhr morgen los und die Fahrt dauerte ca. 7 Stunden. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass die Züge in der zweiten Klasse, ‘ekonomi’ genannt, oft nicht klimatisiert und heillos überfüllt sind, man sich einen Sitz teilen muss oder gar keinen bekommt und man von Zigarettenrauch eingenebelt werden würde. Wir rechneten mit dem Schlimmsten, aber die Fahrt war total entspannt. Das Abteil war gerade mal halb voll und Zugfahren generell eine nette Abwechslung und wesentlich angenehmer als die langen Busfahrten.

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Unten die Wagen der ersten Klasse:

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In Malang blieben wir ein paar Tage, erkundeten die Stadt und gingen zum ersten Mal in einem asiatischen Land zum Frisör. Wir versuchten mit Händen und Füßen zu erklären, was wir wollten – ich bekam einen ordentlichen Vokuhila-Stufenschnitt, wollte aber auch nicht zwischendrin nochmal erklären, dass es eigentlich nur gerade abgeschnitten werden soll aus Angst, dass es dann noch kürzer werden würde. Harry kriegte einen schicken Surferboy/Milchbubi-Schnitt. Es war auf jeden Fall ein lustiger Ausflug.

Außerdem besuchten wir den Vogel- und Pflanzenmarkt. Es gab hier alles vom Kuckuck über Beos und Eulen alle möglichen Vogelarten zu kaufen.

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Nach dem Frisörbesuch erwischte uns der nachmittägliche Regenschauer. Die schöne Föhnfrisur war dahin.

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Essenstechnisch ist es hier sehr lecker – wir sind nur oft aufgrund der Sprachbarriere mit der Auswahl überfordert. Wir probierten unter anderem Rawon, eine javanische Rindfleischsuppe gewürzt mit Keluak, dem Samen des Pangi-Baumes. Alle Bestandteile dieses hier heimischen Gewächses sind aufgrund des hohen Blausäuregehalts giftig. Erst durch mehrfaches Waschen, Kochen und anschließendes Vergraben im Boden für mehrere Tage und die dadurch entstehende Fermentation, werden die Samen ungiftig und erhalten eine schwarze Färbung. Der Geschmack ist schwer zu beschreiben und nicht so wirklich vergleichbar, säuerlich, nussig, einfach anders.

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Wir kamen an einem bunt angemalten Stadtteil vorbei. Ich konnte im Internet nicht viel darüber heraus finden, außer dass es wohl eine Aktion der Stadt gewesen sei, den Leuten in Slums die Möglichkeit zu geben, ihr Viertel attraktiver für Touristen zu gestalten. Das hat hier auf jeden Fall funktioniert. Wir sahen viele, v.a. indonesische Touristen durch das Viertel spazieren und unzählige Fotos schießen.

P1050226P1050241P1050247Die Berliner Graffiti Szene war auch schon hier gewesen.

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In unserem Hostel wurden wir nach der ersten Nacht etwas unsanft morgens um 7 durch ein kräftiges Hämmern gegen die Tür geweckt. Trotz des Versuches, es zu ignorieren, ging das Hämmern beharrlich weiter und eine Frauenstimme rief immer wieder ‘excuse me’. Schließlich öffnete ich total verpennt die Tür und mir wurde ein Tablett mit dem Frühstück, bestehend aus Fisch, Reis und ordentlich scharfer Soße in die Hand gedrückt. Guten Morgen!

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Mit dem Moped unterwegs im Südosten Javas

 

Nach einigem Hin und Her beschlossen wir am nächsten Tag, erneut ein Moped auszuleihen und nur mit dem Nötigsten bepackt einige Tage den Südosten der Insel zu erkunden.

Als weißer Tourist zieht man hier doch recht viel Aufmerksamkeit auf sich. Die Indonesier selbst sind unglaublich freundlich. Oft werden wir auf der Straße angesprochen oder man will Fotos mit uns machen. In einem Restaurant in Banyuwangi saß außer uns noch ein indonesisches Pärchen. Als die beiden das Restaurant verlassen hatten, kam ein Kellner zu uns und versuchte uns in gebrochenem Englisch zu erklären, dass die beiden unser Essen bezahlt hätten. Wir verstanden erst nicht und dachten, es gäbe ein Problem mit dem Essen oder jemand anderes hätte es gegessen. Als wir endlich richtig verstanden, waren wir total überrascht und wussten gar nicht, was wir sagen sollten. Wir hätten uns gern bedankt. Als wir mit dem Moped unterwegs waren wurde uns von vielen anderen Fahrzeugen ein fröhliches ‘Hello’ zugerufen. Auf der anderen Seite ist hier vieles für uns sehr viel teurer und selbst wenn wir versuchen zu handeln, zahlen wir oft das zehnfache des normalen Preises. Vor allem bei Sehenswürdigkeiten macht sich das bemerkbar. So sollten wir beispielswiese für einen Strandbesuch in einem Nationalpark 250.000 Rupiah pro Person zahlen, fast 17 Euro. Der Eintritt für Indonesier lag bei 7.500 IDR, ca. 50 Eurocent. Handeln brachte nichts, man meinte zu uns, entweder wir zahlen oder wir gehen. Am Ende gingen wir oft – darüber, ob es gerecht ist, dass Ausländer und Indonesier unterschiedliche Preise zahlen kann man sicher streiten. Das Problem für uns war eher, dass die Preise völlig überzogen waren – 17 Euro für einen Strandbesuch pro Person, wo doch die Unterkunft für uns beide deutlich weniger kostete, stand in keinerlei Relation. Der Eintritt zu einem anderen Strand, an dem man Schildkröten beobachten konnte betrug sogar 30 Euro. Ein deutsches Pärchen, dass wir unterwegs trafen, hatte diese Probleme nicht – er war halber Indonesier und ihr Vater aus Singapur, Aussehen und Sprache scheinen eher eine Rolle zu spielen, der Pass selbst musste bisher nicht vorlegt werden. Am Ende fuhren wir die meiste Zeit mit dem Moped rum, was auch viel Spaß machte. Einmal gerieten wir in eine muslimische Festgesellschaft. Harry aka Hellracer hatte auf jeden Fall Spaß auf den kurvenreichen Bergstraßen mit den heimfahrenden Festbesuchern um die Wetter zu fahren. Der Weg führte uns vorbei an Drachenfrucht-, Kakao-, Reis- und Kautschukplantagen. Da Regenzeit war, schüttete es jeden Nachmittag wie aus Kübeln. Einmal schafften wir es gerade noch so in ein sehr leckeres indonesisches Restaurant und fuhren, als der Regen nachließ durch riesige Pfützen zurück in unsere Unterkunft.

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Die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren hier ähnlich wie in Südamerika, nur waren die Busse hier nochmal ein Stück kleiner, aber dafür meist nicht voll.

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Wir machten aufgrund von Regen an einem Essenstand halt und wurden nach kurzer Zeit von Einheimischen gefragt, ob sie ein Foto mit uns machen könnten. Auch Selfies standen ganz hoch im Kurs.

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Drachenfrüchte gab es hier unglaublich billig. 1000 Rupiah (7 Eurocent) pro Kilo – vielleicht war gerade Erntezeit?

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Die Straßenqualität war sehr unterschiedlich, zum Teil gut, aber auch oft von Schlaglöchern übersäht. Manchmal waren es auch nur schlammige Wege. Der Verkehr selbst ist vor allem in den Städten chaotisch und die zum Teil sehr waghalsige Überholmanöver machten es nicht leichter.

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Silvester auf Bali und das blaue Feuer des Ijen

 

In Bali angekommen, schafften wir es gerade noch so vor Mitternacht mit einem Bier in der Hand am Strand zu sitzen. In diesem Sinne nochmal frohes Neues!

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Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und auf dem Nachtmarkt. Dann ging es schon weiter mit Bus und Fähre nach Java, da wir Anfang Februar Bali mit meiner Familie erkunden würden.

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Der Turbogrill:IMG_5644IMG_5648IMG_5667IMG_5675

Mit der Fähre setzten wir über nach Banyuwangi auf der Insel Java. Wir wollten den Vulkan Ijen besteigen und die blauen Flammen des verbrennenden Schwefels, der aus dem Krater austritt sehen. Wir lasen in verschiedenen Blogs, dass es möglich war mit einem Moped selbst hinzufahren. Also mieteten wir uns eins und fuhren um ein Uhr nachts los, da die Flammen nur im Dunkeln zu sehen sind. Die Straße wurde immer schmaler und es gab einige steile Stücken, an denen ich absteigen musste – wir hatten nicht gerade das beste Moped erwischt. Der Weg hoch zum Krater war leicht zu finden und außer uns waren noch Unmengen anderer Touristen unterwegs. Der Vollmond schien hell und wir brauchten keine Lampen. Je höher wir kamen, desto stärker wurde der Schwefelgestank. Wir hatten uns Gasmasken ausgeliehen und machten uns am Kraterrand angekommen auf den Weg hinab in den Höllenschlund. Hier wurde der Schwefelgestank trotz Gasmaske zum Teil unerträglich. Leider hatten wir mit den blauen Feuern etwas Pech – man sah nur ab und zu ein kleines Flämmlein, vielleicht war der Vollmond einfach zu hell oder die Flammen weniger stark als sonst. Trotzdem war der Ort beeindruckend, wenn auch irgendwie unheimlich. Am Kratergrund bauten Einheimische per Hand Schwefel ab, eine harte, ungesunde Arbeit. Die vollbeladenen Körbe wiegen bis zu 90 kg und müssen den steilen Weg hoch zum Kraterrand und dann ca. 1 Stunde hinab bis zur Straße getragen werden. Wir hielten es aufgrund der giftig-reizenden Schwefeldämpfe nicht lange aus und stiegen wieder hinauf zum Kraterrand. Die Sonne war mittlerweile aufgegangen und durch den Rauch konnten wir den Kratersee erahnen, auch das größte Säurefass der Erde genannt mit einem pH von unter 0,3. Wir machten uns schließlich auf den Rückweg und düsten mit unserem Roller den Berg hinunter. Auf der schmalen Straße blieben wir hinter einem Auto hängen, dass sehr langsam die steilen Wegstücken herunterrollte und mussten viel bremsen. Auf dem nächsten geraden Stück griff dann plötzlich die fordere Bremse nicht mehr. Wir bekamen einen ordentlichen Schreck und hielten sofort am Straßenrand. Wir hatten irgendwo gelesen, dass das durch Überhitzung passieren kann, aber alles wieder funktioniert, sobald es etwas abgekühlt ist. Und tatsächlich griff die Bremse nach einer Weile wieder und wir fuhren ohne weitere Probleme den bei Tageslicht sehr schönen Weg zurück nach Banyuwangi durch grüne Kaffeeplantagen und kleine Dörfer. Erschöpft von der kurzen Nacht schliefen wir ein.

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Hier die Fotos einer Freundin, die vor ca. einem Monat im Krater war:

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IMG_5694IMG_5697IMG_5714IMG_5732Wenn man genau hinschaut, kann man auf dem unteren Bild den grünlich-blauen Kratersee erahnen:

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Aussie Xmas

Zurück in Adelaide kamen wir dieses Mal bei meiner Gastschwester Dani und ihrem Freund Tom unter. Am nächsten Tag, dem 25.12. feierten die Australier Weihnachten. Tom ist Engländer, aber seine Mutter mit seinem Stiefvater und deren drei Töchtern, sowie seine Schwester Amy wohnen ebenfalls in Adelaide. Morgens um acht waren wir bei Toms Mutter eingeladen, da seine drei kleinen Schwestern es kaum erwarten konnten die Geschenke auszupacken. Von dort ging es weiter zu Greg und Kelly. Greg ist Phils Sohn aus erster Ehe und er hat mittlerweile auch schon Kinder. Es gab den traditionellen Weihnachtsschinken. Satt und zufrieden fuhren wir anschließend zu Wendy und Phil. Dorthin kam auch Cathy, Wendys Tochter aus erster Ehe mit ihrem Mann und den drei Kindern. Ihre beiden älteren Söhne kannte ich noch aus meinem Auslandsjahr hier. Christian war damals vier und Josh wurde gerade geboren. Den Nachzügler Conner lernte ich jetzt erst kennen. Was für ein Tag…wir fielen totmüde ins Bett, nachdem wir am Tag zuvor schon mit Dani, Tom und ihren Nachbarn ordentlich reingefeiert hatten.

Am ersten Weihnachtsfeiertag fuhren wir an einen Strand in Adelaide, auf dem Autos erlaubt sind. Danis Freund Tom hat einen Jeep, seine große Leidenschaft und hat außerdem sämtliches Campingzubehör. Entsprechend luxuriös wurde unser Besuch am Strand und auch unser Ausflug zum Murray River mit den Nachbarn ein paar Tage später zum Jetski fahren.

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Die Jungs bekamen unter anderem ein Spiel zu Weihnachten, bei dem man sich ein riesen Plastikteil in den Mund stecken muss und dann versuchen soll, Sätze von einer Karte vorzulesen. Harry bekam von Wendy und Phil einen typische australischen Hut für das Outback geschenkt, an dem kleine Korkstückchen hängen, die einem die dort doch sehr lästigen Fliegen aus dem Gesicht halten sollen.

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Oben bin ich mit zwei guten Schulfreunden, unten mit meinen Gasteltern:

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Hier noch etwas Weihnachtsdeko Aussie Style. Es ist ganz lustig, in lauen Nächten durch die Straßen zu laufen und sich die Weihnachtsbeleuchtung der Häuser anzuschauen. In einigen Straßen hier laufen regelrechte Wettbewerbe.

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An unserem vorletzten Tag in Australien nahmen Wendy und Phil uns mit nach Hahndorf, einer alten deutschen Siedlung in der Nähe von Adelaide. Soweit ich weiß, stammt von hier aus der Nähe auch die Wurst Fritz, eine Art Jagdwurst, die vermutlich der Einfachheit halber nach dem Erfinder benannt wurde.

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Am 31.12. ging schließlich unser Flieger nach Bali. Es gab noch eine kurze Aufregung am Flughafen, da wir mal wieder völlig uninformiert los düsen wollten und nicht einchecken konnten. Grunde war, dass man nicht ohne Ausreiseticket nach Indonesien einreisen darf und so suchten wir panisch nach einer schnellen Lösung am Flughafen. Zum Glück konnten wir ein billiges Ticket für die Fähre nach Singapur online ergattern und schon ging es los nach Asien.

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Otway National Park and the Grampians

 

Von der Great Ocean Road aus machten wir etwa auf halber Strecke einen Abstecher in den Otway National Park. Harry war total begeistert von den großen Bäumen und dem ganzen Grün. Unter anderem gab es dort den Königs- oder auch Rieseneukalyptus zu sehen, der höchste Laubbaum der Welt. Auch die Strände waren wunderschön, einsam und grün.

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Die meisten Ziele im Otway National Park wie Wasserfälle oder einsame Strände waren meist nur über sogenannte Gravel Roads (Schotterstraßen) zu erreichen. Wir durften offiziell mit unserem Camper nur auf geteerten Straßen fahren, waren aber nicht die einzigen, die mit einem gemieteten Camper vom Weg abgekommen waren. Auf dem Rückweg von einem Wasserfall fing unser Auto auf einmal an ein extrem hohes, trommelfell- und nervenzerfetzend lautes Quietschen von sich zu geben. Wir hielten an, konnten aber von außen nichts erkennen. Harry versuchte alle möglichen Beschleunigungs-, Brems- und Lenkmanöver, aber unsere Karre hörte einfach nicht auf zu quietschen – selbst mit vollaufgedrehter Musik und hochgekurbelten Fenstern war es immer noch unglaublich laut. Wir begannen uns ernsthaft Sorgen zu machen und hielten erneut an. Die Autovermietung anzurufen und ihnen zu sagen, dass wir auf einer Schotterstraße standen, hielten wir für keine gute Idee, aufgrund des Verbotes auf ebendiesen Straßen zu fahren. Also quälten wir uns noch 20 min quietschend durch den Wald bis zur nächsten asphaltierten Straße. Dort hielten wir in einer Parkbucht und ich bekam einen leicht hysterischen Panikanfall, da unser Auto von der Schotterstraße komplett eingestaubt war. Während Harry schon davon träumte, dass unser Minivan aufgrund fehlender Kapazität von der Vermietung durch ein Luxuswohnmobil ausgetauscht wurde, begann ich den aussichtslosen Versuch, die Staubspuren zu beseitigen. Die Vermietungsstelle hatten wir mittlerweile schon angerufen und alle Daten durchgegeben. Wir sollten uns ein paar Minuten gedulden, bis sie mit weiteren Instruktionen zurückrufen würden. Ich machte mir weiter fieberhaft Sorgen, dass sie herausfinden würden, dass wir abseits geteerter Straßen unterwegs waren und spielte schon mit dem Gedanken, das Navi ins Meer zu schmeißen – wer weiß, ob unsere Reiseroute dort gespeichert war – als ein freundlicher Mechaniker der Vermietung anrief und mich fragte, ob wir denn auf Schotterstraßen unterwegs gewesen wären…ähhh…also auf Campingplätzen und Aussichtspunkten, so nach dem Motto, da ging es ja nicht anders, druckste ich herum. Er meinte daraufhin, dass manchmal ein hochgeflogenes Steinchen in der Bremse stecken bleibt. Wir sollten doch mal versuchen, ein paar Meter rückwärts zu fahren, dann würde der Stein in der Regel rausfallen. Gesagt, getan und tatsächlich war das Geräusch sofort weg. Also war mal wieder alle Aufregung umsonst, aber wir waren sehr erleichtert und fuhren mit sauber geputzten Auto weiter. Der Tag war gerettet.

Vom Otway National Park aus fuhren wir noch ein Stückchen weiter die Great Ocean Road entlang, die sich nun zum ersten Mal so richtig an der Küste entlangschlängelte, bis Kennett Park, einem kleinen Örtchen, wo man Koalas in freier Wildbahn sehen kann. Tatsächlich sahen wir einige der knuffigen Tierchen, konnten aber keinen richtigen Unterschied zu den Koalas im Tierpark feststellen. Auch in freier Wildbahn sahen wir sie meist nur schlafend. Ein Koala jedoch hockte in den Bäumen direkt neben unserem Van. Wir entdeckten ihn nur zufällig, da ab und zu komisch grunzende Geräusche aus dem Gebüsch kamen. Ich hatte noch nie zuvor einen Koala Geräusche machen hören und war immer zu langsam mit dem Aufnehmen – bei youtube gibt es aber schon eine Menge Videos, z.B. https://www.youtube.com/watch?v=C8s1C-y_6Lk

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Außerdem wurde der Zeltplatz von zahlreichen Kakadus bevölkert. Bei der Touri-Info lasen wir auf Hinweisschildern, dass man diese Vögel nicht füttern solle, da sie sonst zu viel Freizeit hätten und dann vor lauter Langeweile Häuser, Spielplätze und andere Holzkonstruktionen zerlegen würden.

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Anschließend fuhren wir wieder zurück Richtung Adelaide. Wieder ging es im Landesinneren über einsame Landstraßen, wobei wir ab und zu an weihnachtlich geschmückten Toreinfahrten zu riesigen Farmen vorbeikamen. Auch gern eher lustig gehalten – z.B. ein aufblasbarer nackter Santa mit Sonnenbrille, der seine Klamotten auf der Wäscheleine aufhängt.

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Auf dem Rückweg hielten wir für einige Tage im Grampians National Park, einem grünen Felsmassiv mit schönen Wasserfällen, Wanderungen und jeder Menge Kängurus. Der kostenlose Campingplatz hier war der schönste und größte, den wir bisher gesehen hatten. Es gab sogar Duschen!

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Wir besuchten auch Zumsteins, ein ehemaliger Zeltplatz, den Walter Zumstein 1918 dort mit seiner Frau den ersten Campingplatz der Grampians gründete. Er kam gerade aus dem Krieg zurück, besaß eine Kuh, deren Milch er an die Camper verkaufte und hob innerhalb von 5 Jahren nur mit Schaufel und Schubkarre ein Schwimmbecken aus, dass von dem nahe gelegenen Fluss gespeist wurde. Viele Gäste kamen über Jahre hinweg immer wieder zurück, halfen beim Bau des Schwimmbeckens und die Kinder konnten hier Bäume pflanzen und sozusagen deren Paten werden. Heute ist es eine Art Ratsplatz mit den typischen öffentlichen Grillplätzen, die es in Australien überall gibt.

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Lime Stone Coast and Great Ocean Road

 

Unser erster Stopp an der Küste war Kingston S.E., ein kleines Städtchen, wo es zwei kostenlose Campingmöglichkeiten am Strand gibt, auch auf dem Strand selbst hätte man campen können. Bekannt ist Kingston für seinen Big Lobster Larry. Von diesen ‘big things’ gibt es mehrere in Australien, wie The Big Kangaroo, The Big Ant usw. (https://en.wikipedia.org/wiki/Australia’s_big_things). Was genau diese bezwecken und warum sie so bekannt sind, habe ich noch nicht herausgefunden, aber jedem Australier, dem man erzählt, dass man in Kingston S.E. war, fragt nach Larry.

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Über Millicent ging es weiter Richtung Great Ocean Road, vorbei an erloschenen Vulkankratern, die als kleine Hügel aus der sonst sehr flachen Landschaft Australiens aufragten.

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Insgesamt gab es sehr viele ‘dry zones’ an Stränden und öffentlichen Plätzen, wo kein Alkohol getrunken werden durfte. Die Australier, die ich so kenne sind eher gesellige, entspannte Typen, die gern und oft das eine oder andere Gläschen trinken. Die australische Politik scheint jedoch die Leute umerziehen zu wollen. Auch Zigaretten darf man eigentlich nur noch auf seinem eigenen Grund und Boden offiziell rauchen und die Tabaksteuer wird alle paar Monate erhöht. Als wir da waren, kostete ein Päckchen Zigaretten (40 Stück) um die 50 australische Dollar, knapp 40 Euro. Alkohol war ebenfalls sehr teuer – ein kleines Bier (0,33) war nicht unter einem Euro in den Läden zu bekommen und in einer Kneipe kostete es stattliche 8 Euro. In Victoria, einem Bundesstaat östlich von Südaustralien, sahen wir überall Schilder ‘Report Litter’ (zeige Müll an). Auf der entsprechenden Webseite (http://www.epa.vic.gov.au/get-involved/report-litter) habe ich gelesen, dass man selbst für einen Apfelgriebsch, den man aus dem Autofenster schmeißt 317 AUD zahlen muss. Motorradfahren in Gruppen von mehr als drei Personen ist in Victoria ebenfalls strafbar. Außerdem sahen wir überall Schilder der Neighbourhood Watch, eine Art Verein, der sich damit beschäftigt, die eigene Nachbarschaft sicherer zu machen – so was ähnliches habe ich bei uns auch schon gesehen. Wir hatten ziemlichen Spaß uns neue Werbesprüche wie ‘report your neighbour before he reports you’ auszudenken.

Weiter ging es für uns an der Sandsteinküste über Nelson nach Portland, wo wir Australiens größte auf dem Festland lebende Seehundkolonie besuchten. Man konnte nicht richtig nah ran, aber dafür konnte man die Tiere beim Spielen im Wasser beobachten.

IMG_4445IMG_4455IMG_4471Je näher wir der sehr touristischen Great Ocean Road kamen, desto mehr Hinweisschilder gab es nach den Aussichtspunkten, auf der linken Straßenseite zu fahren – ich war wohl nicht die einzige, die es mal auf der rechten versucht hat.

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Auf einem Zeltplatz waren alle Bäume schwarz verkohlt. Buschfeuer sind in Australien sehr gefürchtet. Sie gehören ursprünglich zum natürlichen Ökosystem des trockensten Kontinents. Manche Eukalyptusarten unterstützen die Feuerwirkung durch ihr leicht entflammbares Öl, wobei die Stämme selbst feuerfest sind. Das Feuer hilft ihnen auch ihre Samenhülsen zu öffnen und die unbeliebte Konkurrenz zu eliminieren.

IMG_4485IMG_4488Noch ein alter erloschener Vulkankrater.IMG_4550Die berühmten Zwölf Apostel im Morgengrauen.IMG_4563

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Up the Murray River

 

Nachdem wir uns von unserem Jetlag erholt hatten, mieteten wir uns den einfachsten und trotzdem noch unglaublich teuren Campervan, den wir finden konnten. Wir hatten nicht wirklich einen Plan, wo es hingehen sollte. Der Linksverkehr, der uns schon als Fußgänger zu schaffen gemacht hatte, war mit dem Auto erst recht abenteuerlich. Am Anfang fuhren wir ständig zu weit links und betätigten beim Abbiegen den Scheibenwischerhebel. Ich schaffte es natürlich auch einmal, mich nach dem Abbiegen auf den nahezu verkehrslosen Landstraßen ohne nachzudenken auf der rechten Spur einzufädeln und kriegte den Schock meines Lebens, als mir ein Auto auf meiner Spur mit Lichthupe entgegenkam. Aber nach einiger Zeit gewöhnten wir uns an den Linksverkehr. Auch die Tiere, die die Fahrbahn kreuzten waren für uns exotischer Natur: Ameisenigel, Emus, eine Schlange und Kängurus. Letztere sahen wir in den meisten Gebieten leider eher tot am Straßenrand liegen.

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Die weite und leere dieses Landes beeindruckt immer wieder. Mehr als 20mal größer als Deutschland, leben hier nur etwas mehr als 20 Mio. Menschen – macht noch nicht einmal 3 Einwohner pro km2 im Vergleich dazu hat Deutschland etwas mehr als 230 pro km2. Entsprechend einsam waren hier die Landstraßen vor allem im Landesinneren.

Wir fuhren den Murray River entlang stromaufwärts. Nachdem es am ersten Tag nach unserer Ankunft 40°C heiß war, regnete es die folgenden Tage und war mit ca. 20°C eher ungewöhnlich kühl für den australischen Sommeranfang. Entlang des Flusses gab es zahlreiche kostenlose Campingmöglichkeiten, meist sogar mit Toilette und Feuerstellen. Unsere Mitcamper waren meist wesentlich besser ausgestattet als wir mit riesigen Motorhomes oder Jeeps mit Wohnwagen im Schlepptau.

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Am dritten Tag machten wir in Barmera halt, einem kleinen Städtchen am Bonney Lake. Dort durfte man an der gesamten unbewohnten Seeseite wild campen. Es gab kleine Sandstrände und im Wasser standen die Überbleibsel riesiger Eukalyptusbäume. Am Abend fand in Barmera die Christmas Pageant statt, eine Art Weihnachtsumzug, den es in jeder australischen Stadt gibt. Dort ziehen dann alle möglichen lokalen Vereine und jeder der sonst noch so Lust hat in meist weihnachtlicher Verkleidung die Straße entlang. Ziemlich surreal und witzig anzusehen, wenn man die kalte Vorweihnachtszeit bei uns gewöhnt ist.

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Nachdem der Umzug vorbei waren hievten einige Zuschauer ihre Campingstühle auf den Sportplatz, um sich dort die Plätze in der ersten Reihe für das Feuerwerk am Abend zu sichern.

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Auf dem Rückweg wollten wir eigentlich wieder zurück zu unserem alten Platz am See. Generell war der Streifen zwischen Straße und See ziemlich sandig, aber da wir schon einmal erfolgreich dort geparkt hatten, waren wir dieses Mal sorgloser und als wir vom Auto aus eine vermeintliche Rasenfläche sahen, die uns gut gefiel, bogen wir ab, ohne uns den Boden näher anzusehen wie beim ersten Mal. Schon nach wenigen Metern blieben wir im Sand stecken. Wir verfluchten unsere eigene Dummheit und versuchten mit Holzstücken, die wir unter die Reifen schoben, wieder herauszukommen, aber die Räder buddelten sich nur immer tiefer in den Sand. Natürlich durften wir mit unserem gemieteten Campervan mit Heckantrieb die geteerten Straßen offiziell gar nicht verlassen und mit sinkendem Mut sahen wir uns schon eine horrende Strafe für das rausziehen zahlen oder noch schlimmer abgefetzte Plastikteile von missglückten Abschleppversuchen freiwilliger Helfer zusammensammeln. Die Sonne ging allmählich unter und wir wurden immer verzweifelter, als schließlich ein Jeep auf der Straße hielt und der Fahrer uns fragte, ob wir Hilfe brauchten. Wir schilderten unsere Situation und innerhalb weniger Minuten parkten drei Jeeps neben unserem Van. Die Männer fachsimpelten, wie und wo man am besten das Abschleppseil befestigen sollten. Die Frauen standen Jim Beam trinkend herum und der Sohn im Teenager Alter machte Fotos mit der Handykamera von uns. Alle waren guter Stimmung und erzählten uns, dass sie heute schon einen anderen Kumpel aus dem Sand gezogen hätten. Innerhalb weniger Minuten wurde das Abschleppseil kurzerhand aufgrund fehlender Anhängerkupplung oder sonstiger Befestigungsmöglichkeiten an der Federung eingehakt. Wir wurden erfolgreich bis kurz vor die Straße gezogen. Aber unser schrottiges Mietauto schaffte nicht mal den letzten kleinen Huppel bis zum rettenden Asphalt und unsere australischen Retter mussten am Ende nochmal mit vereinten Kräften schieben. Wir waren so froh, dass alles nochmal gut ausgegangen war und bedankten uns überschwänglich. Was für ein Schreck! Nochmal trauten wir uns nicht auf unbekanntes Terrain und campten auf einer Schotterstraße nahe am See. Dort verbrachten wir zwei entspannte Tage bevor wir weiter flussaufwärts fuhren.

IMG_4174IMG_4175IMG_4176IMG_4179IMG_4246IMG_4267Der Himmel war nachts von Sternen übersäht:IMG_4301

Nach Barmera fuhren wir weiter bis Renmark. Dann trieben uns Temperaturen von knapp 40°C und Mücken Richtung Meer.

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Ankunft in Australien

 

Von Lima aus flogen wir, im Gegensatz zum Hinflug recht unspektakulär, zurück nach Berlin. Dort genossen wir einige Tage den Urlaub vom Urlaub – kochen worauf man Lust hat, einfach nur zu Hause sein, Frühstück im Schlafanzug und eine Waschmaschine. Was man nicht so alles vermisst mit der Zeit. Dann hieß es wieder Rucksack packen und los. Über Dubai flogen wir nach Adelaide, wo ich 2003/04 bei der besten Gastfamilie, die man sich wünschen kann, wohnte und zur Schule ging. Phil und Wendy, meine damaligen Gasteltern holten uns zusammen mit ihrer Tochter Dani vom Flughafen ab. Gleich am ersten Tag nahmen uns Phil und Wendy mit in einen kleinen Tierpark und Harry konnte zum ersten Mal Kängurus, Koalas und andere australische Tiere aus der Nähe betrachten.

IMG_3832IMG_3845Wendy und Phil beim Emu-Füttern. Es war ein 40°C heißer Tag und die Emus kühlten sich in einem Flüsschen ab:

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Ein Känguru mit einem Baby im Beutel, letztere werden hier Joeys genannt.

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IMG_3911Auch den Kängurus war es einfach zu heiß.. unten sieht man ein Echidna oder auch Ameisenigel genannt.

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Im Laufe der ersten Woche kämpften wir schwer mit dem Jetlag und trafen alte Schul- und Hockeyfreunde. Meine kleine Schwester Cara war 2004 mit meiner Mutter nach Adelaide gereist, um Caras ersten und meinen 17. Geburtstag hier zu feiern. Ich schockte alle meine Freunde mit Bildern meiner jetzt 14jährigen Schwester und wir kamen uns kollektiv uralt vor. Auch Geschichten, die ich Harry erzählte, wie ‘damals, als das Busticket noch 75 Cent kostete..’, machten die Sache nicht besser. Trotzdem einfach schön, wieder hier zu sein!

IMG_3976Völlig fertig vom Jetlag…

IMG_3978..und etwas orientierungslos im Linksverkehr..

IMG_3988Das neue Cricketstadium in Adelaide. Als wir dort waren, fanden gerade die ‘Ashes’ statt, ein dreitägiges Cricketspiel Australien vs. England. Wir saßen im Park davor und ca. alle 30 Minuten brandete Jubel auf – die Regeln dieses Spiels sind mir ehrlich gesagt immer noch unklar.

Lima

 

Von Pisco aus nahmen wir den Bus nach Lima. Dort übernachteten wir im Hotel España mitten in der Altstadt. Das Hotel selbst besteht aus verschachtelten und verwinkelten Treppen, Höfen und Anbauten, alles in einem etwas verkitscht und sympathisch heruntergekommen Kolonialstil – bisher eine unserer Lieblingsunterkünfte. Mitbewohner auf dem Dach waren ein Pfauenpärchen, eine Schildkröte und ein Ara, dessen Lieblingsbeschäftigung es war, von seinem Hochstand runterzuklettern und an der Balustrade große Holzspäne mit seinem kräftigen Schnabel abzunagen, bis ihn die Putzfrau jedes Mal auf dem Ende ihres Besenstils einsammelte und zurück zu seinem Hochstand brachte. Das Ganze war ein Familienbetrieb und es herrschte eine entspannte Stimmung. Als wir eines Abends von der Terrasse die Treppe zu unserem Zimmer herunterstiegen, wurden wir von einem Hotelgast aus Mexiko auf eine Runde Mezcal eingeladen. Er war ein lustiger Typ, der gerade auf dem Weg nach La Paz war, um dort Edelsteine zu verkaufen.

Lima hat uns sehr gefallen – trotz der vielen Bewohner herrscht hier eine einladende und entspannte Atmosphäre. Abends tranken wir Bier in einer Kneipe gleich gegenüber von unserem Hotel – Kneipe ist vielleicht übertrieben: es war mehr ein ebenerdiger, unverputzter Raum mit ein paar Tischen, Stühlen und Bierkästen. Die Gäste empfingen uns freudig johlend und waren allesamt schon ziemlich gut dabei. Neben dem Bier war die einzige andere Attraktion eine Art Jukebox, wo gegen Geld Lieder ausgesucht wurden. Gespielt wurden vor allem die üblichen peruanischen Schlager, die wir schon von den langen Busfahrten kannten und alle sangen inbrünstig mit. Hier ein zwei Lieder, die besonders oft gespielt wurden: https://www.youtube.com/watch?v=Vp-_t615hzI und https://www.youtube.com/watch?v=rUsdixa0b54

IMG_3731Der Pfau auf der Dachterrasse unseres Hotels. IMG_3734

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Zimmer befand sich ganz oben auf der rechten Seite. Im nächsten Bild sieht man den Ausblick, den wir hatten, sobald wir vor die Tür taten.IMG_3762IMG_3766Der Blick in einen der zwei Innenhöfe des Hotels.

 

 

 

 

 

 

 

 

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IMG_3772Unten zu sehen ein paar älterer Damen, die tücherschwingend zur Blaskapellenmusik während des Wachwechsels am Palast tanzten.

IMG_3775Die Trachten in Peru sind denen in Bolivien ziemlich ähnlich. Die Röcke sind etwas kürzer und die Hutform etwas anders.IMG_3777Auch hier sah man an einem Sonntag tanzende, ältere Menschen in einer Art kleinen Amphitheater im Zentrum:IMG_3779Unten sieht man gebratene Meerschweinchen, probiert haben wir ehrlich gesagt nicht…IMG_3781In einem Park in der Nähe von unserem Hotel übten verschiedene Tanzgruppen ihre Auftritte:IMG_3790IMG_3793IMG_3798

Der Ara auf seinem Hochstand und unten auch schon auf dem Weg zu den Holzgeländern, um dort große Stücken abzuknacken.IMG_3800IMG_3805Inca Kola probierten wir auch, schmeckte extrem süß und nach Gummibärchen…dazu gab es Ceviche, mit Limettensaft marinierter Fisch.

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An dem Tag unseres Rückfluges gewann Peru das WM-Qualifikationsspiel im Fußball gegen Neuseeland. Das peruanische Arbeitsamt verkündete daraufhin, dass am nächsten Tag zur Feier dieses Sieges alle frei hätten – mit der Begründung, dass eh keiner in der Lage gewesen wäre, zu arbeiten.