Das Büro der Imigrasi – Passierschein A38..

 

Von Malang aus fuhren wir weiter mit dem Zug Richtung Westen nach Yogyakarta, eine 1,5 Millionen Einwohner Stadt und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz – zusammen  mit der Provinz Aceh eins von zwei verbliebenen Sultanaten in Indonesien. Hier wollten oder besser gesagt mussten wir unser Visum verlängern. Wir lasen im Internet, dass es ein recht komplizierter Vorgang sei und man an vielen Punkten scheitern könne. Als erstes müsse man mit Passkopien und ausgedrucktem Ausreiseticket zum Immigrationsbüro. Hier herrscht Kleiderordnung, also lange Klamotten und geschlossene Schuhe, sonst kann es passieren, dass man nicht rankommt. Das Formular ist in schwarzer Tinte und in Großbuchstaben auszufüllen, wenn es ein blauer Kuli ist, wird es nicht angenommen. Außerdem baucht man einen Sponsor, d.h. eine indonesische Person mit gültigem Reisepass, die für einen bürgt und ebenfalls ein Formular ausfüllen muss. Der Sponsor darf außerdem seinen Steuerstempel nicht vergessen. Der Pass wird dann einbehalten und man muss ein zweites Mal an einem anderen Tag hin um Fotos zu machen, Fingerabdrücke scannen zu lassen und die 355.000 IDR (ca. 21 Euro) Gebühr zu zahlen. Nach ca. vier Tagen darf man dann seinen Pass mit der Visumsverlängerung für weitere 30 Tage abholen. Der ganze Prozess kann insgesamt bis zu eine Woche dauern. Das klang alles sehr kompliziert. Im Internet stand, es sei möglich, eine Art Agentur dafür zu bezahlen, die sich um den Papierkram kümmert und dann müsse man nur einmal zum Immigrationsbüro, um die Fotos machen zu lassen. Wir beschlossen letzteres zu versuchen, da wir keine Idee hatten, wie wir einen Sponsor mit unseren nicht vorhandenen Indonesischkenntnissen auftreiben könnten. Also klapperten wir sämtliche Reisebüros und Touristeninformationen auf der Suche nach solch einer Agentur ab. Wir erhielten unterschiedliche Informationen und wurden meist zum nächsten Reisebüro geschickt. Schließlich fanden wir heraus, dass ein Mann namens Robbie der Einzige in der ganzen Stadt sei, der sich um solche Sachen kümmere. Also versuchten wir Robbie zu finden. Zweimal liefen wir zu seinem Haus, einmal hatten wir uns dort mit ihm telefonisch verabredet, aber wir hatten kein Glück. Am nächsten Tag fanden wir jemanden, der Robbie netterweise anrief und so erfuhren wir, dass er uns nicht helfen könne, da sein Reisepass abgelaufen sei. Schließlich beschlossen wir, einfach zum Immigrationsbüro zu fahren und es ohne Sponsor zu versuchen oder zur Not einen vor Ort aufzutreiben. Wir bekamen eine Nummer und das Formular zum Ausfüllen. Nach ca. einer Stunde wurde Harry als erstes aufgerufen und musste das Deckblatt gleich nochmal ausfüllen, da wir unsere Adresse in Deutschland aufgeschrieben hatte, es aber eine indonesische sein musste. Wir schrieben die Adresse des Hotels auf und warteten erneut, bis wir aufgerufen wurden. Der Sachbearbeiter schien nun zufrieden mit den Papieren und fragte uns, warum wir hier sein. Nachdem wir sagten, dass wir nur zu Besuch seien, wurden wir zum Glück nicht nach einem Sponsor gefragt und bekamen nach erneuter Wartezeit einen Zettel mit einem Termin zwei Tage später, um die Gebühr zu zahlen und die Fotos und Fingerabdrücke aufzunehmen. Pünktlich morgens um acht standen wir erneut vor dem Immigrationsbüro und vermummelten uns – es war einfach viel zu heiß für lange Kleidung. Etwas mutiger waren wir in Sachen Kleiderordnung jedoch geworden, da unser Sachbearbeiter in Flip Flops durch die Gegend schlappte, hatten wir dieses Mal statt geschlossener Schuhen Sandalen mit Socken an. Wir gingen zu der Stelle, wo die Fotos gemacht werden sollten. Dort sagte man uns, wir sollen uns setzten und warten. Nachdem eine ganze Weile nichts passierte, gingen wir zu unserem Sachbearbeiter und der sagte uns, dass wir erst bezahlen müssten. Also wir fragten wo, deutete er nur wage nach draußen. Also befragten wir die Mitarbeiter am Empfangstresen, die uns in gebrochenem Englisch erklärten, dass ein gelbes Auto in etwa einer halben Stunde kommen würde und wir dort bezahlen könnten. Während wir warteten, hatte ein Amerikaner am Empfangstresen die gleichen Verständigungsprobleme und wir erklärten ihm die Sache mit dem gelben Auto. Er wartete mit uns und erzählte uns, dass er mittlerweile das dritte Mal hier sei, da er einen Sponsor mitbringen musste und davon vorher nichts gewusst hatte. Wir waren echt froh, dass uns diese Sponsorsache erspart geblieben ist. Als das gelbe Auto endlich da war und wir bezahlt hatten, gingen wir erneut zu unserem Sachbearbeiter, der uns in den Keller schickte, wo wir Kopien der Zahlungsbelege anfertigen lassen mussten. Dann ging es wieder nach oben und unsere Akte wurde dem Fotografen gegeben, der uns nach einiger Wartezeit aufrief. Am nächsten Tag sollten wir die Pässe 13 Uhr abholen. Dieses Mal hatte Harry kurze Hosen an, ich ein T-Shirt statt Pulli und Sandalen ohne Socken. Wir mussten erneut warten und setzten uns nach einer Weile in die Stuhlreihe direkt vor unserem Sachbearbeiter. Er war der einzige, der die Angelegenheiten von Ausländern bearbeitete und wurde von einer Kroatin angefleht, ihre Visaverlängerung zu beschleunigen. Sie sei mit dem Fahrrad unterwegs und könne keine Woche in Yogya warten. Er meinte, dass man bis 10 Uhr morgens eine Nummer ziehen müsse, um seinen Antrag abzugeben und da es Freitag und nach 10 Uhr sei, solle sie doch Montag wiederkommen. Sie versuchte alles bis hin zur Bestechung mit selbstgekochtem Essen. Ich hatte wohl einen etwas ungeduldigen Blick drauf – der Sachbearbeiter musterte mich von oben bis unten, dann Harry und meinte unwirsch ‘you have to change your pants, mister’. Harry hatte zum Glück die langen Hosenbeine für seine Trekkinghosen dabei und befestigte sie schnell mit dem Reisverschluss (das An- und Abbauen der Hosenbeine hatte an den Tagen zuvor auf der Straße vorm Immigrationsbüro sehr zur allgemeinen Belustigung der umstehenden Javaner beigetragen). Ich war nur froh, dass er nichts zu mir sagte – ich hatte keinen Pulli dabei… Nach ein paar Minuten rief er uns schließlich auf und stempelte unseren Pass. Endlich geschafft!!

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Unten Chinatown von Yogya, eine Modenschau oder Misswahl in einem Shopping Center und die typischen Joglo-Häuser von Kota Gede, einem Stadtteil von Yogya:

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