Pisco

 

Von Ayacucho aus entschieden wir uns weiter nach Pisco, an die Pazifikküste zu fahren. Die Stadt trägt den gleichen Namen wie das Nationalgetränk Pisco Sour, ein Cocktail aus dem hier weit verbreiteten Traubenschnaps Pisco, Limette, Zucker und Eiweiß. Die Stadt war 2007 von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden, bei dem über 80% der Gebäude zerstört wurden und viele Menschen starben. Seitdem besuchen nicht mehr viele Touristen die Stadt. Die meisten ziehen es vor, in dem nahe gelegenen Dorf Paracas zu übernachten. Von dort aus starten auch die Bootstouren zu den Islas Ballestas, einer der Hauptattraktionen der Region. Auch wir wollten zu den Inseln, da man dort unzählige Vögel, Seelöwen und Pinguinen sehen konnte. Wir buchten unsere Bootstour bei einem sehr netten Tourenanbieter, der recht gut deutsch sprach, dass er sich selbst mit Hilfe der deutschen Touristen beigebracht hatte. Er entschuldigte sich, dass er aufgrund von Heiserkeit nicht so gut sprechen könne, da er sich am Vortag wortwörtlich ‘die Kante’ gegeben habe. Dieser deutsche Ausdruck kam so unvermittelt, dass Harry vor Lachen fast vom Stuhl viel. Er erzählte uns auch von der Touristenflaute in Pisco nach dem Erdbeben und davon, dass in Paracas alles viel teurer sei als in dem 20 min entfernten Pisco, seitdem sich der Tourismus dorthin verlagert hat. Der Bus von Paracas nach Lima würde beispielsweise fast 10mal so viel kosten wie von Pisco aus. Wir waren nur froh, auch hier nicht die ganze Zeit wie Geldkühe, die gemolken werden müssen behandelt zu werden.

Wir erreichten die Inselgruppe der Islas Ballestas nach einer ca. 30minütigen Bootsfahrt von Paracas aus. Unterwegs hielten wir an dem ‘Candelabro de Paracas’, wörtlich übersetzt der Kerzenleuchter, obwohl bis heute nicht ganz geklärt ist, was genau dieses ca. 130 m hohe Scharrbild darstellen soll. Es stammt aus der Zeit, in der auch die berühmten Nazcalinien entstanden sind. Ebenso wie bei diesen, ist auch hier die genaue Bedeutung unklar. Eine Theorie besagt, dass der Candelabro Schifffahrern zur Orientierung gedient haben soll, andere, dass es ein Hilfsinstrument zur Berechnung eines Agrarkalender gewesen sein soll.

IMG_3499 Etwas weiter auf dem Weg zu den Inseln trafen wir auf ein anderes Touristenboot, dessen Motoren versagt hatten. Unser Bootskapitän gab ein paar, nach dem Gesichtsausdruck des Bootsführers auf dem manövrierunfähgen Bootes zu urteilen, nicht so hilfreichen Tipps und fuhr nach einigen Minuten weiter, nachdem ein anderes Boot anhielt, um zu helfen..

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So erreichen wir schließlich die Islas Ballestas, auf denen unzählige Vögel leben und nisten, angelockt durch den fisch- und planktonreichen Humboldtstrom. Einst wurde auf den Inseln Guano abgebaut, getrockneter Vogeldung, der sich aufgrund seines Phosphat- und Stickstoffgehaltes hervorragend zur Pflanzendüngung eignet und den schon die Inka zu nutzen wussten. Im 19 Jahrhundert gab es durch die steigende Bevölkerungswachstum einen regelrechten Guanoboom. 1870 wurden allein nach Deutschland 520.000 Tonnen Guano exportiert. Es war zu der Zeit eines der bedeutendsten Exportmittel Perus. Der im Verlauf sinkende Guanovorrat und die Einführung von Kunstdünger machten diesem Boom schließlich ein Ende. Heute wird Guano in Peru hauptsächlich zum Eigenbedarf abgebaut. Auf den Islas de Ballestas ist jeglicher Abbau untersagt, da das Gebiet unter Naturschutz steht, aber man kann auf den Inseln noch die alten Verladerampen sehen.

Aber nicht nur die Vögel, wie Tölpel, Möwen und Pelikane werden durch die reichen Fischschwärme angelockt, sondern auch Seebären, Mähnenrobben, Delphine und viele andere Jäger. Vor allem Robben sahen wir viele, die auf den Felsen entspannten und ein paar der am nördlichsten lebenden Pinguine konnten wir ebenfalls beobachten.

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IMG_3522IMG_3536IMG_3572IMG_3580IMG_3589Das Schwarze auf dem oberen Bild sind alles Vögel, dicht beieinander.

IMG_3591IMG_3598IMG_3621IMG_3625IMG_3634IMG_3640IMG_3655IMG_3656IMG_3658IMG_3662IMG_3665Nachdem wir zurück im Hafen waren ging es weiter in die Wüste der Paracas Halbinsel. Insgesamt fanden wir (oder vor allem ich) diese geführten Touren eher anstrengend. Alles ist ziemlich planlos und unorganisiert, was unter anderem daran liegt, dass viel zu viele Leute mitmischen, die sich untereinander nicht wirklich absprechen, sodass man viel rumsteht und wartet. Gleichzeitig kommt man sich auf den Ausflügen oft wie in einer Kita-Gruppe vor, zumindest wird man von den Gruppenführern meist so behandelt, als wäre man etwas minderbemittelt. Aber einfach nur ein Ticket für eine Bootsfahrt zu buchen, ging leider nicht, sodass man letztendlich gezwungen ist, eine geführte Tour zu machen. Der Trip durch die Wüste war relativ unspektakulär und wir wurden zum Mittagessen an einem völlig überteuerten Fischrestaurant abgesetzt. Allerdings konnte man am Hafen Pelikane, die auf der Lauer nach Fischabfällen waren, aus der Nähe beobachten und allein für den Besuch der Inseln hatte sich der Ausflug allemal gelohnt.

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