El Choro

Zurück in La Paz bereiteten wir uns auf unsere erste Trekkingtour in Bolivien vor. Das hieß erstmal Sachen waschen, was nach 3 Tagen schwitzen im Dschungel bitter nötig war. Dafür musste erstmal die Waschmaschine ans Waschbecken in der Küche angeschlossen werden, eine dauerhafte Installationslösung gab es noch nicht und der Abwasch musste warten. Dann hieß es daneben sitzen und warten, dass bei der doch etwas wackeligen Konstruktion nicht alles überflutet wird.IMG_1223

Als das geschafft und Essen für drei Tage eingekauft war, ging es am frühen Morgen vollbepackt los.

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Der Choro Trek beginnt in La Cumbre, ca. 30 min Fahrt mit dem Collectivo von La Paz aus. Wir hatten leider etwas Pech mit dem Wetter: es regnete bzw. schneite die ganze Nacht vor unserem Aufbruch. Eigentlich ist der Weg leicht zu finden, im Nebel und Schnee war es dann doch nicht ganz so leicht.

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IMG_1230Die Bolivianer schienen auch etwas überfordert mit dem plötzlichen Schneefall..

 

 

 

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Der Choro ist ein alter Transportweg der Inka. Auch heute noch sind die Dörfer, durch die man kommt, nur über diesen Weg mit der Außenwelt verbunden. Insgesamt ist der Trek ca. 45 km lang. Am Anfang läuft man 200 Höhenmeter nach oben auf einen Pass auf 4870 m Höhe. Mit dem zusätzlichen Gepäck war die Luft ganz schön knapp und wir mussten alle paar Meter völlig außer Puste anhalten. Nachdem wir den Pass überwunden hatten, lichtete sich der Nebel ein wenig und wir kamen in den Genuss des wunderschönen Blicks über das Tal und die angrenzenden Berge.

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Uns kamen Einheimische entgegen, denen wir Coca-Blätter schenkten und die auf dem Weg nach La Paz waren – für uns ging es erstmal nur noch bergab ins Tal und wir waren sehr beeindruckt, wie entspannt die beiden den Berg hochliefen, nachdem wir schon nach den gerade mal 200 Höhenmetern fix und fertig waren.

Aufgrund des Nebels dachten Harry und ich nicht mal dran Sonnencreme zu benutzten und zogen uns im Schnee in Kombination mit der Höhe einen schlimmen Sonnenbrand im Gesicht zu. Rote, sich pellende Nasen hatten wir noch über eine Woche später…echte Guiris eben, aber auch bei Weitem nicht die einzigen..

Je tiefer wir kamen, desto grüner wurde es. Der Weg folgt einem Fluss, an dem Lamas weideten. Immer wieder stiegen Nebelschwanden aus dem Tal auf.

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Der Weg führte mitten durch ein kleines Dorf mit einer Handvoll Häusern.

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Wir waren mittlerweile schon über 7 Stunden unterwegs und als untrainierte Flachlandmenschen am Ende unserer Kräfte. Mittlerweile wuchsen flechten- und moosbedeckte Bäume am Wegesrand und wir beschlossen, die Zelte aufzubauen. Gegen 7 Uhr lagen wir bereits in unseren Schlafsäcken, da es auf dieser Höhe noch empfindlich kalt war und das Holz zu nass zum Feuer machen.

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Am nächsten Tag liefen wir weiter durch den Nebel. Immer wieder kreuzten wir Flussläufe und mussten steile Schluchten auf steinigen Trampelpfaden hinab- und wieder hinaufsteigen. Uns tat alles weh – mir erstaunlicherweise und zum Glück alles außer meiner gebrochenen Zehe.

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Am Nachmittag fing es an zu regnen und wir kamen völlig durchnässt und durchgefroren an einem Zeltplatz namens Bella Vista an. Der Zeltplatz bestand aus einer einfachen Hütte, in der der Besitzer wohnte, einer Grasfläche und einfachen Wellblech-Unterständen, unter denen wir die Zelte aufbauen und die Sachen zum trocknen aufhängen konnten. Zum Glück konnten wir trockenes Holz kaufen und uns an einem Feuer etwas aufwärmen. Der Besitzer baut diverse Sachen für den Eigenverbrauch an und hat ein Solarpanel für elektrisches Licht. Außerdem hat er einige Maultiere, mit denen er Waren über den Choro transportieren kann. Diese sahen wir dann auch am nächsten Tag, als sie auf die Wiese kamen, um zu fressen und sich im Gras zu wälzen. Außerdem leben dort noch zwei Katzen, ein Hund und drei Küken. Eigentlich waren es mal vier, aber eines der Maultiere hat beim Wälzen auf der Wiese versehentlich eins platt gedrückt. Die beiden Katzen krabbelten einem aufgrund der Kälte immer wieder auf den Schoß und machten sich gegenseitig den Platz streitig. Der Hund war eher gemütlich und etwas dick, natürlich ständig am betteln, aber sobald man sich abseits im Wald hinhockte, quasi auf der großen Toilette, machte er sich einen Spaß daraus, einen spielerisch anzuspringen…

Der Besitzer des Campingplatzes erzählte uns außerdem, dass seine Frau mit den Kindern in La Paz sei, damit diese zur Schule gehen können. Das Land habe er von der Regierung erhalten, weil er eine bestimmte Zeit darauf gewohnt hat.

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Harry fand die Solarzellenwerbung toll:)

 

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Links im Bild sieht man die Maultiere, von dem schönen Blick auf die Berge hatten wir leider wegen schlechter Sichtverhältnisse nicht viel. Doch am nächsten Tag kam endlich die Sonne durch und je tiefer wir kamen, desto wärmer wurde es. Der Choro endet schließlich auf 1430 m Höhe. Es war der dritte Tag und nach fast 8 Stunden wandern waren wir völlig alle. Unglaublich wie anstrengend abwärts laufen auf die Dauer sein kann.

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Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir endlich in Chairo an, einem kleinen Dorf am Ende des Choro Treks. Ein Dorfbewohner brachte uns gegen Gebühr in seinem klapprigen Auto bis nach Coroico, dem nächstgrößeren Städtchen. An dem Auto gab es wirklich nichts, dass nicht kaputt war und die Straße war auch eher eine schmale Schotterpiste mit unzähligen Schlaglöchern. Wir wurden auf der Rückbank ordentlich durchgeschüttelt, aber uns war alles egal: wir hatten es geschafft!

In Coroico stiegen wir steifbeinig aus dem Auto und staksten wie in Zeitlupe durch die Stadt. Jeder Muskel schmerzte und bergab, sowie Treppensteigen war schier unmöglich. Wir nahmen das erstbeste Zimmer in einer ziemlich heruntergekommenen Herberge. Der Besitzer drehte uns nach drei Minuten das warme Wasser in der Dusche ab, sodass wir nass, kalt, aber nicht wirklich sauber in unser Bett krochen, so froh, nicht mehr laufen zu müssen… Am nächsten Tag suchten wir uns ein Hostel mit wunderschönem Blick auf die Berge und Pool. Zur vorgegebenen Check out Zeit war weit und breit kein Angestellter in unserer ersten Unterkunft zu finden, sodass wir schließlich das Warten aufgaben und durch das Fenster ins Büro einstiegen, um unsere Ausweiskopien zu holen, die der Vermieter am Tag zuvor eingesammelt hatte, da wir die Originale in La Paz gelassen hatten. Insgesamt blieben wir drei Tage in dem kleinen Städtchen, bis wir wieder in der Lage waren, schmerzfrei zu laufen…

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Der Blick von unserem Hostel auf die Berge und das Städtchen Coroico.

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Cocaplantagen, an denen wir auf einem kleinen Spaziergang (natürlich nur noch mit Sonnenschutz, die Nasen immer noch rot von unserer Schneewanderung) vorbei kamen – oben der Stadtfriedhof.

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